Woran erkenne ich ein gutes Pflegeheim?

Qualität der Pflegeheime:

Alten- und Pflegeheime unterscheiden sich teilweise sehr stark hinsichtlich ihrer Qualität. Deswegen ist es wichtig zu wissen, woran man ein besonders gutes Pflegeheim erkennen kann. Ob sich ein pflegebedürftiger Mensch in der Pflegeeinrichtung wohlfühlt, hängt entscheidend von der Qualität der Pflege und der Atmosphäre innerhalb der Einrichtung ab. Aus diesem Grund kann man das zukünftige Zuhause der Patienten gar nicht gründlich genug prüfen. Sich rechtzeitig umfassend zu informieren, schützt vor unangenehmen Erfahrungen.

Einrichtungen miteinander vergleichen

Bevor die Entscheidung für ein bestimmtes Alten- oder Pflegeheim fällt, sollten möglichst viele in Frage kommende Einrichtungen miteinander verglichen werden. Eine sehr gute und umfangreiche Übersicht findet man bei Internetvergleichsportalen, zum Beispiel im Pflegeheim-Vergleich von Wohnen-im-Alter.de. Ist die Vorauswahl getroffen, liefern die Webseiten der jeweiligen Einrichtungen weiterführende Informationen zu Lage, Ausstattung und allen anderen Angeboten. .

Pflegenoten

Seit einigen Jahren gibt es zur Bewertung der Qualität von Alten- und Pflegeheimen die sogenannten Pflegenoten. Als Basis hierfür dienen die Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) in den einzelnen Senioren-Einrichtungen. Anhand verschiedener Kriterien werden Schulnoten zwischen eins und fünf vergeben und veröffentlicht. Die Noten erleichtern es den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen, die Qualität einzelner Pflegeeinrichtungen zu beurteilen und schaffen so mehr Transparenz. Dennoch sind gute Pflegenoten allein kein verlässliches Zeichen für eine besonders hohe Qualität. Letztendlich spiegeln die MDK-Noten nicht die tatsächliche Lebensqualität der Heimbewohner wider, sondern nur die Qualität der Pflege-Dokumentation. Man sollte diese Angabe als Hilfe bei der Vorauswahl nutzen, die Einrichtungen aber in jedem Fall auch selbst besuchen. Das Pflegenoten-System soll in dieser Legislaturperiode (bis 2017) reformiert werden. Ebenfalls zur Diskussion steht eine komplette Abschaffung des Pflege-TÜVs.

Pflege-TÜV nicht aussagekräftig

Pflegeheime wurden bisher mit Schulnoten anhand von 59 Kriterien bewertet. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass viele davon wenig über die Qualität der Pflege aussagen. Wenn zum Beispiel Mängel bei der Ernährungsversorgung festgestellt wurden, gab es zwar eine entsprechende Note dafür, aber es gab keinen Hinweis, ob Verbesserungsmaßnahmen getroffen wurden. Defizite wurden in der Gesamtnote nicht erkennbar, insofern waren die Noten des Pflege-TÜVs kaum aussagekräftig.

Internetbewertungen wenig objektiv

Auch Internetbewertungen durch Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sind wenig hilfreich. Viele lassen sich zum Beispiel von einer hübschen Einrichtung oder einer gelungenen Veranstaltung für die Bewohner ablenken und können die wesentlichen Pflegemaßnahmen nicht beurteilen.

Die Weiße Liste für mehr Transparenz

Um die Qualität der Pflegeheime transparenter zu gestalten, soll bis 2019 ein neues Bewertungssystem erarbeitet werden. Damit sich die Verbraucher bis dahin besser orientieren können, hat die Bertelsmann-Stiftung eine sogenannte Weiße Liste erstellt, in denen die Daten der Pflegeheimbewertungen anders aufbereitet worden.
Statt Gesamtnoten werden die Prozentwerte zur Pflegequalität der einzelnen Heime veröffentlicht, die durch den MDK geprüft wurden. Die unabhängige Weiße Liste ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen.

Bewertungen durch Patientenvertreter und Pflegekräfte

In Zukunft sollen die Bewertungen der Pflegeheime durch einen Ausschuss mit Vertretern der Pflegebedürftigen und der Pflegeberufe durchgeführt werden. Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bundesregierung Karl-Josef Laumann von der CDU schlägt außerdem die Gründung eines Qualitätsinstituts mit unabhängigen Pflegewissenschaftlern vor, die den Ausschuss unterstützen sollen.

Pflegeziele setzen

Ein gutes Pflegeheim muss sich individuelle Pflegeziele mit detaillierten Maßnahmen für jeden Bewohner stecken und überprüfen, ob diese innerhalb eines halben Jahres erreicht wurden. Eine Pflegekonferenz der Fachkräfte in der Einrichtung sollte dann beurteilen, ob die Ziele erreicht wurden. Nur so kann Pflege die Qualität bekommen, die Pflegebedürftige benötigen, um sich wohl zu fühlen.

Persönlicher Eindruck entscheidend

Um vor Ort einen persönlichen Eindruck von der Pflegeeinrichtung zu bekommen, vereinbaren der Pflegebedürftige und seine Angehörigen am besten einen Besichtigungstermin mit der Heimleitung. Vor dem Besuch sollten Sie sich genau überlegen, was Ihnen wichtig ist und welche Umstände auf keinen Fall akzeptiert werden können. Dabei sollten klare Prioritäten gesetzt werden, denn das „perfekte“ Heim werden Sie wahrscheinlich nicht finden. Entscheidend für die persönliche Beurteilung der Einrichtung sind die ersten Eindrücke: Ist die Atmosphäre angenehm und freundlich? Wie riecht es in den Räumlichkeiten? Sind die Pflegekräfte freundlich und offen? Wenn die Möglichkeit besteht, befragen Sie das Personal, Bewohner und Angehörige zu ihren individuellen Erfahrungen. Auch „Probewohnen“ für ein paar Tage ist eine gute Gelegenheit, um das Pflegeheim kennenzulernen.
Worauf Sie bei der Auswahl eines passenden Pflegeheims besonders achten sollten, haben wir für Sie in unserer Checkliste zusammengefasst:

  • Entspricht die Lage des Pflegeheims Ihren Vorstellungen?
    Sind Geschäfte, Ärzte, Restaurants, Freizeitangebote und andere Einrichtungen zu Fuß erreichbar? Gefällt Ihnen die unmittelbare Umgebung?

  • Ist die Pflegeeinrichtung gut erreichbar für Angehörige, Freunde und Bekannte?
    Befindet sich das Heim in der Nähe der bisherigen Wohnung? Die Erreichbarkeit des Pflegeheims sollte es Besuchern möglichst leicht machen, auf einen „Sprung“ vorbeizukommen.

  • Gefallen Ihnen das Haus selbst, die Zimmer und die Gemeinschaftsräume?
    Genügt der Wohnraum Ihren Bedürfnissen? Lassen sich die eigenen Räume individuell möblieren? Wirkt die Einrichtung insgesamt sauber und ordentlich?

  • Entspricht die Qualität der Verpflegung Ihre Anforderungen?
    Ist der Speiseplan abwechslungsreich und ausgewogen? Können die Bewohner jederzeit Speisen und Getränke bekommen (auch außerhalb der üblichen Mahlzeiten)?

  • Gibt es eine Auswahl an Freizeitangeboten, die Ihren Wünschen entsprechen?
    Bietet das Pflegeheim gemeinsame Aktivitäten wie zum Beispiel Gymnastik, Singen, Ausflüge oder Geburtstagsfeiern an?

  • Gibt es einen Heimbeirat, der den Bewohnern aktive Mitbestimmung ermöglicht? Wie wird mit Beschwerden von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen umgegangen?

  • Wie ist die Betreuung organisiert? Gibt es persönlichen und seelsorgerischen Beistand?
    Ist eine fürsorgliche Sterbebegleitung gewährleistet? Fördert das Pflegeheim das Engagement der Angehörigen?

  • Ist die Pflege im Heim aktivierend und auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Bewohner ausgerichtet? Steht Ihnen und Ihren Angehörigen eine Pflegekraft als fester Ansprechpartner zur Verfügung? Sind die Anzahl der Pflegekräfte und deren berufliche Qualifikation für Sie zufriedenstellend?

  • Wie ist die therapeutische und ärztliche Versorgung gestaltet? Werden regelmäßig Sprechstunden und Visiten mit Haus- und Fachärzten im Pflegeheim organisiert? Unterstützt es die Einrichtung, wenn die Bewohner von ihren bisherigen Ärzten weiterbehandelt werden möchten? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es im Haus?

  • Welche Kosten sind mit der Unterbringung in der Einrichtung verbunden? Welche alltäglichen Serviceleistungen sind inklusive? Informiert die Heimleitung Sie ausführlich über die Finanzierungsmöglichkeiten?

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