Was bringt das neue Hospiz- und Palliativgesetz?

Recht auf individuelles Sterben

Sterben gehört zum Leben dazu, doch die wenigsten Menschen erleben diese Phase beschwerdefrei. Oft werden die letzten Tage und Stunden durch Schmerzen, Atemnot und Angst zur Qual. Auch die persönliche Zuwendung fehlt. Das neue Hospiz- und Palliativgesetz soll dies ändern und ab 2016 sicherstellen, dass jeder Mensch nach seinen Bedürfnissen und Wünschen während der Sterbephase versorgt wird. Das Recht auf Beratung über die Möglichkeiten der Sterbebegleitung gehört ebenfalls zum Inhalt des neuen Gesetzes.

Palliativpflege bedeutet eine komplexe Versorgung

Jeder schwerstkranke oder sterbende Mensch braucht eine andere Pflege, daher soll der Schwerpunkt der Versorgung jeweils auf dem Bereich liegen, der am meisten benötigt wird. Dazu müssen sich die verschiedenen Berufsgruppen und ehrenamtlichen Mitarbeiter reibungslos miteinander austauschen und arbeiten können.
Die meisten Menschen sterben in Krankenhäusern und in Pflegeheimen, doch die wenigsten bekommen dort die palliativmedizinische und pflegerische Versorgung, die sie brauchen, denn bisher gibt es zu wenige Hospize, ambulante Hospizdienste und Palliativstationen sowie ehrenamtliche Mitarbeiter. Vor allem in ländlichen Gegenden fehlen den Menschen die professionelle Unterstützung und menschliche Zuwendung. Insgesamt werden die Krankenkassen etwa 200 Millionen Euro für eine bessere Palliativpflege ausgeben.

Häusliche Palliativversorgung wird durch Zuschüsse erleichtert

Das neue Hospiz- und Palliativgesetz will jedem ermöglichen, seine letzten Tage und Stunden dort zu verbringen, wo er möchte. Wer zu Hause sterben will, wird durch Zuschüsse der Krankenkassen in Zukunft eher einen ambulanten Hospizdienst in Anspruch nehmen können, wenn die Familie nicht in der Lage ist, die Situation allein zu bewältigen.
Um die häusliche Palliativpflege zu erleichtern, soll es verlängerte Verordnungen für häusliche Krankenpflege geben. Die Richtlinien sollen die einzelnen Leistungen für eine Palliativpflege konkret benennen. Verträge mit Haus- und Fachärzten für die Sterbebegleitung sind verpflichtend und werden extra vergütet. Für ländliche Gegenden wird es spezielle Ausbauprogramme zur palliativen Versorgung geben (SAPV).

Palliativstationen sollen verbessert werden

Etwa 50 Prozent der Todkranken müssen im Krankenhaus sterben, da sie zur Linderung körperlicher Beschwerden medizinische Geräte benötigen. Palliativstationen sind speziell für sterbende Menschen eingerichtet, sodass die Atmosphäre möglichst viel Geborgenheit ausstrahlt. Auch der Zeitaufwand wird dem Betroffenen angepasst.
Die benötigten Leistungen können nach dem neuen Gesetz individueller abgerechnet werden, was gleichzeitig einen Anreiz schaffen soll, mehr Palliativstationen einzurichten oder bestehende zu verbessern. Finanziert wird dies durch die jeweiligen Kostenträger. Steht keine Palliativstation zur Verfügung, können Krankenhäuser ambulante Hospizdienste beauftragen.

Sterbebegleitung in Pflegeheimen

Da sehr viele Menschen in Pflegeheimen sterben, muss die palliative Versorgung dort ebenfalls verbindlich verbessert werden. Neben der üblichen Pflege muss speziell geschultes Personal zur Verfügung stehen. Außerdem werden die Heime verpflichtet, mit Ärzten und Apothekern zusammenzuarbeiten. Letztere bekommen ein extra Budget für die Palliativversorgung.

Pflegeheime haben oft zu wenig Geld, um mehr Pflegepersonal einstellen zu können, deshalb soll der ambulante Hospizdienst auch in diesem Bereich gefördert werden. Zudem sind Pflegeheime verpflichtet, über ihre Möglichkeiten der Sterbebegleitung zu informieren, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben.

Wo findet man Informationen über Hilfsangebote?

Bisher haben Hospizvereine, Gemeindestellen und Pflegeeinrichtungen über die Möglichkeiten einer Sterbebegleitung informiert. Da dies vielen Menschen nicht bekannt ist, sollen nach dem neuen Gesetz auch die Krankenkassen auf das Beratungsangebot aufmerksam machen und über ihre Leistungen aufklären. Die Krankenkassen arbeiten mit allen Pflegeberatungsstellen und Versorgungsnetzwerken zusammen, damit Sie die notwenigen Leistungen leichter und schneller erhalten.

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