Hörgeräte: Kosten, Finanzierung und Typen

Hörgeräte: Krankenkassen erstatten höheren Festbetrag

Betroffene zahlen oft für Hörgeräte Preise von mehreren tausend Euro. Seit dem 01. November 2013 bezahlen die Krankenkassen mit einem Festbetrag von bis zu 784,94€ deutlich höhere Zuschüsse als zuvor. Ein Anspruch auf ein neues Gerät besteht alle sechs Jahre. Allerdings haben viele Krankenkassen Verträge mit der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker und den Herstellern abgeschlossen, in denen eine individuelle Bezahlung der Akustiker festgelegt ist. Dies hat vor allem dann Auswirkungen, wenn der Versicherte ein Gerät wählt, das über dem Kassenerstattungspreis liegt. Teurer wird es auch, falls der Preis des Ohrpasstückes höher als die festgelegten 35€ ist oder die Reparatur eines Defekts bei zuzahlungspflichtigen Hörgeräten über den technischen Mindeststandard der „Kassengeräte“ hinausgeht.

Mindeststandards bei der Anpassung eines Hörgeräts

Lange waren digitale Hörgeräte für den Verbraucher äußerst kostspielig, so dass oftmals auf analoge Geräte zurückgegriffen wurde. Mittlerweile ist der Einsatz von analogen Systemen zur seltenen Ausnahme geworden, da digitale Geräte heute dem Standard der Krankenkassen entsprechen. Für diese wurden nun Mindeststandards, wie eine Störschallkorrektur oder das Verfügen von mindestens drei verschiedenen Hörprogrammen, festgesetzt. Bei der Anpassung muss darauf geachtet werden, dass kaum wahrnehmbare Frequenzen intensiver verstärkt werden, als deutlich hörbare.

Viele Extras auf Eigenzahlung möglich

Hochleistungsgeräte können pro Ohr bis zu 3000€ kosten. Sind Extras wie der Empfang von Audiosignalen über Bluetooth gewünscht, kann die Zuzahlung teuer werden. Die Liste an zusätzlichen Ausstattungsoptionen reicht von der Erfassung kleiner Frequenzbereiche mittels zwanzig oder mehr Kanäle über die automatische Erkennung und Regulierung von Lautstärke und Hörsituation bis zur Funkverbindung zwischen den beiden Hörgeräten, um einen angenehmeren Klang zu erzielen. Sinnvoll ist insbesondere der Einbau einer Induktions- oder Telefonspule. Diese nimmt die elektromagnetischen Wellen eines Telefons oder der in Kirchen, Theater-, Konzert-, und Kinosälen oft vorhandenen Induktionsschleife auf. Eine weitere Möglichkeit stellen frequenzmodulierte Anlagen dar, welche unter bestimmten Voraussetzungen auf Kassenkosten ärztlich verordnet werden können.

Tipp: Hörgeräte beim Akustiker vergleichen

Ist ein Hörgerät nötig, wird beim Akustiker zunächst ein Hörtest durchgeführt. Danach wird im Beratungsgespräch geklärt, in welchen Situationen das Gerät genutzt werden soll. Dem Kunden werden dann verschiedene Modelle vorgestellt, wobei der Akustiker verpflichtet ist, zumindest ein zuzahlungsfreies Gerät vorzuschlagen. Nach den Basiseinstellungen sollten mindestens zwei verschiedene Geräte in unterschiedlichen Geräuschsituationen ausprobiert werden.
Darüber hinaus ist zu entscheiden, ob ein sogenanntes Hinter-dem-Ohr- (HdO) oder Im-Ohr-Gerät (iO) gewählt werden soll. Beide Varianten bieten Vor- und Nachteile: HdOs sind größer und damit auffälliger, bieten jedoch mehr Platz für Extras und sind einfach in der Handhabung. Ein Nachteil von HdOs ist, dass der Klang verzerrt werden kann, da der Schall erst vom Gehäuse über einen Schlauch ins Ohr geleitet wird. IO-Geräte lassen sich dagegen fast vollständig im Ohr verstecken und nutzen die Fähigkeit zum Richtungshören optimaler. Allerdings verschließen sie meist den Gehörgang und sind oft empfindlicher. Nachdem der Kunde sich sein Gerät ausgesucht hat, fertigt der Akustiker schließlich die Ohrpasstücke und nimmt genaue Einstellungen vor. Ebenso übernimmt er die Wartung und Funktionskontrolle der Geräte.

 

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